Über Schulen und „Digitalisierung“ wird viel geredet. Auch „Gamification“ ist so ein Begriff, der derart häufig bemüht wird, dass es tatsächlich nicht ganz einfach ist, über ein Projekt zu schreiben, das sich ebendiesen Themen widmet – ohne dem spröden Charme einer Pressemeldung zu verfallen.
Aber: Der Hamburger Lessing-Stadtteilschule ist es tatsächlich gelungen, kleine Bildungshäppchen in Spiele zu verpacken und dabei ausgerechnet Bewegung und soziale Interaktion zu fördern.
Nicht als Konzept oder Präsentationsfolie, sondern als reale App.
Deutlich weniger lustig als man denkt: Das Testen der Multiplayer-Spiele mit acht physischen Geräten entpuppte sich als echte Geduldsprobe. Mit iOS-Simulatoren kann man dummerweise keine QR-Codes scannen.
Von Anfang an zentral war der Gedanke, dass die App nicht dazu führen soll, dass Schülerinnen und Schüler passiv auf einem Bildschirm herumtippen. Erfüllt wurde dieser Anspruch durch den Einsatz von QR-Codes, die auf dem Schulgelände verteilt sind: Es ist schlichtweg nicht möglich, ohne einen dieser QR-Codes ein Spiel zu starten. Bewegt man sich nicht, kann man mit der App nur wenig anfangen.
Dabei unterscheidet das System zwischen den unterschiedlichen Altersgruppen: Einer Sechstklässlerin übermittelt der Server an demselben QR-Code andere, dem Lehrplan folgende Inhalte als einem Zehntklässler. Für absolvierte Spiele werden neben Punkten, die in einer Rangliste angezeigt werden, Coins gewährt. Diese können im Shop für Klamotten oder Gadgets verwendet werden, um den eigenen Avatar zu individualisieren – vom „Panda-Head“ bis zur „königlichen Robe“.
Diese Items fördern indirekt die soziale Komponente. Denn um die Spiele mit den attraktivsten Belohnungen spielen zu können, braucht man eine Gruppe von mindestens vier Leuten. Scannt eine Schülerin den QR-Code für ein Multiplayer-Spiel, wird ihr Tablet zum Treffpunkt: Es zeigt einen QR-Code zu ihrer Lobby an und sobald drei bis acht weitere Spieler*innen beigetreten sind, kann sie das gemeinsame Spiel starten. So wird das Digitale ein Anreiz für echte Begegnungen und Teamgeist.
Nachdem ein Live-Test in mehreren Klassen erfolgreicher verlief als wir zu hoffen wagten (mit Reaktionen wie „Puh, mir tun die Füße weh“ oder „Hey, das hatten wir gestern im Unterricht“) wurden Themen zur Priorität, die zuvor eher marginal waren: Neue Spielinhalte entwickeln und die Administration vereinfachen. Eine Handvoll Test-Accounts und einige Dutzend Quizfragen kann man auch noch über manuelle Datenbank-Operationen verwalten. Hunderte nicht.
Das war die Geburtsstunde des „Teacher-Interface“: Eine moderne Web-Oberfläche, die Lehrkräfte befähigt, mithilfe von geführten Assistenten neue Lerninhalte zu erstellen und diese bestimmten Orten auf dem Schulhof zuzuweisen sowie Jahrgängen zuzuordnen. Moderator*innen können in der Oberfläche auch administrative Aufgaben – wie das Hochsetzen ganzer Jahrgänge nach den Sommerferien oder das Zuweisen neuer Passwörter – erledigen.
Sogar die Möglichkeit, weiteren Schulen die Nutzung der App mit ihren eigenen Nutzer*innen und Inhalten zu ermöglichen, ist bereits mit einem Token-basierten Zugriffsmodell implementiert.
Bei der Lessing Yard-App handelt es sich selbstverständlich um eine Team-Leistung 🙌 Dank vieler kluger Köpfe der Schule (teilweise auch in Begleitung von Wahlpflicht-Unterrichtskursen) wurden die App & das Konzept über Jahre hinweg erarbeitet und immer wieder verbessert.
Ich selbst bin – an der Seite von Pedram Berendjy, der sich um die Frontend-Entwicklung und das User Interface-Design kümmert – seit dem Frühjahr 2025 vor allem für den Backend-Server (Linux), die API (Node.js) und die Datenbank (MongoDB) verantwortlich.
Welche Ihrer Ideen braucht noch technischen Support auf dem Weg vom Konzept zur Realität?
Kanonen & Spatzen ist das Unternehmen von Nico Wolf. Als selbstständiger Full Stack Web-Entwickler arbeitet Nico von Lüneburg aus für Kundinnen und Kunden, die kaum unterschiedlicher sein könnten: Vom Gastronomie-Franchise bis in die Schifffahrts-Branche, vom IT-Unternehmen bis zur Schule – bundesweit verstreut von Hamburg bis München. Die Berufslaufbahn von Nico Wolf finden Sie auf LinkedIn.