Kanonen & Spatzen

13. Oktober 2020 – Liebes Tagebuch

Auf dem Holzweg

Vor sechs Monaten habe ich meinen ersten Beitrag für Kanonen & Spatzen verfasst. Er sollte ein Auftakt für das damals neugegründete Unternehmen sein, mit dem ich nach meiner Elternzeit das fortführen und ausbauen wollte, was ich in den Jahren davor als begeisterter Bootstrapper angefangen habe. Das hat nicht funktioniert; was nicht (zumindest nicht nur) an der Heimsuchung durch das Coronavirus lag. Nein, das Problem ist dummerweise, dass mein Konzept der individuellen Website-Entwicklung schon vorher nicht funktionierte.

Ich habe – rechnerisch, nicht gefühlt – in 90% aller vergangenen Projekte weit mehr Arbeitszeit reingesteckt, als bezahlt wurde. Ohne die buch­halterischen Anforderungen einer Kapital­gesellschaft habe ich das bloß nicht bemerkt.

Egal ob ich den Median oder den Mittelwert meines realen Aufwands heranziehe: Ich müsste selbst für eine einfache Website 4.680 Euro verlangen, um kostendeckend zu arbeiten. Zwar ist das für nicht mehr ganz kleine Unternehmen im Vergleich zu Agentur­konditionen immer noch ein Schnäppchen. Leider werden die wenigsten Unternehmens­websites nach ihrer Entwicklung aktiv genutzt (unabhängig davon, ob sie von mir stammen oder nicht). Insofern wäre es auch für diejenigen, die sich ein solches Preisschild leisten können, zumindest schade um das Budget.

Was mich jedoch am meisten umtreibt, ist etwas anderes: Dass es bummelig 15 Minuten dauert, eine WordPress-Website mit einem Standard-Layout zu installieren. Natürlich hinkt diese Gegen­überstellung: Eine solche Website ist nicht nur nicht individuell, sondern schlicht leer und hilft niemandem. Aber kann man die Differenz zwischen 15 Minuten und 52 Stunden Arbeitszeit nicht sinnvoller einsetzen als mit der aufwändigen Gestaltung und Entwicklung einer individuellen Website, die nach ihrem Stapellauf auch nichts tut, außer ungenutzt zu veralten?

Kanonen & Spatzen stellt sich neu auf

Da die wenigsten Online-Marketing­strategien ohne zeitgemäße Website auskommen ist mir wichtig, dass Kanonen & Spatzen weiterhin Website-Entwicklungen anbietet. Um den bisherigen Weg weiterzugehen, hätte ich an dieser Stelle jedoch nur zwei Alternativen: Entweder mache ich Abstriche in der Qualität oder ich ziehe kräftig die Preise an. Ersteres ist nicht mein Stil. Zweiteres ist ebenfalls keine Option, weil ich damit genau diejenigen Kundinnen und Kunden ausschließe, die mir besonders am Herzen liegen: Kleinst­unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten, Einzel­unternehmer­innen und Solo-Selbstständige. All diejenigen, die sich keine Agentur leisten können – oder leisten wollen.

Deshalb gehe ich diesen Weg nicht weiter. Selbstverständlich können sich all diejenigen, die das bereits tun, auch weiterhin auf mich verlassen. Aber die Art und Weise, wie Kanonen & Spatzen zukünftig kalkuliert und arbeitet, wird sich verändern. Ich weiß nur noch nicht wie. Aber:

Kanonen & Spatzen soll nicht nur deshalb immer teurer werden, weil mir nichts Besseres einfällt als das, was alle anderen auch tun.


Beitrag vom 27. Oktober 2020: Auf dem Holzweg – Teil 2