Kanonen & Spatzen

27. Oktober 2020 – Liebes Tagebuch

Auf dem Holzweg – Teil 2

Dieser Beitrag ist der zweite Teil einer Serie über die Neupositionierung von Kanonen & Spatzen. Da ich der Erkenntnis des ersten Teils, dass das aktuelle Geschäftsmodell nicht funktioniert, hier weiter nachgehe, ein kurzer Hinweis vorweg: Ich folge dem Rat „Document, don’t create“ des erfolgreichen Unternehmers Gary Vaynerchuk (siehe hier auf YouTube) und inszeniere deshalb kein Idealbild, sondern berichte aus meinem Unternehmen – dem es zugegebenermaßen besser gehen könnte, als das zur Zeit der Fall ist. Das ist vielleicht nicht die reine Lehre des Marketings, aber eventuell hilft es einmal jemandem in einer ähnlichen unternehmerischen Situation. Nun zur Sache:

Im Wesentlichen hat Kanonen & Spatzen im Moment zwei Probleme: Das erste ist die Arbeitsweise, das zweite die Positionierung.

Erstes Problem: Zeit gegen Geld

Kanonen & Spatzen ist ein sehr kleines Unternehmen, das im Wesentlichen aus mir selbst besteht. Projektbezogen arbeitet Kanonen & Spatzen zwar durchaus mit Freelancerinnen oder Freelancern zusammen – aber ich bin der, der die Tür aufmacht, wenn Sie anklopfen. Wegen der entsprechend geringen Ausgaben (zur Zeit zwischen 4.000 und 5.000 Euro pro Monat) ist Kanonen & Spatzen normalerweise günstiger als andere. So lange die Auslastung stimmt, ist das ein Wettbewerbsvorteil.

Gerät das Geschäft jedoch nur bei einem oder zwei Projekten ins Stocken, was bei Projektlaufzeiten von etwa drei Monaten keine Seltenheit ist, wird es knifflig. Nicht immer kann man die unerwartet frei gewordene Zeit unmittelbar mit anderen Projekten füllen – was wiederum zu einer Delle in den Einnahmen führt. Insbesondere dann, wenn man das Problem nicht weiterreicht, sondern die genannten Freelancer/innen trotzdem bezahlt. Genau so hat Kanonen & Spatzen im vergangenen Quartal einen Verlust von fast 5.000 Euro erwirtschaftet, ohne dass ich nennenswert etwas dagegen hätte tun können. Es wäre fahrlässig, das einfach dem Coronavirus anzulasten.

Das erste Problem ist, dass ich Zeit gegen Geld tausche – und meine eigene Zeit ist nun mal dahin, wenn ich warten muss.

Zweites Problem: die Positionierung

Fragte mich in den vergangenen Jahren jemand nach meinem Job, begann meine Antwort gewöhnlich mit „Ich mache Websites“. Das entspricht zwar weitgehend den Tatsachen – ist aber eine ungünstige Positionierung, wenn ich erreichen will, dass meine Kundinnen und Kunden online mehr für Ihr Geschäft herausholen können, als sie reinstecken müssen. Dieses Ziel mit der Entwicklung einer Website erreichen zu wollen erinnert an eine andere Anekdote desselben Gary Vaynerchuk – diesmal auf Instagram: „The worst strategy of all time“. Umsatz kann man erst mit dem generieren, was nach der Website-Entwicklung kommt: mit Marketing. Aber ich muss mich nicht darüber wundern, mit Website-Entwicklungen beauftragt zu werden, wenn ich mich als Website-Entwickler positioniere.

Das zweite Problem ist, dass ich den falschen Acker bewirtschafte: Jede neue Website kostet Geld. Ob die Investition sinnvoll ist, entscheidet aber das, was nach dem Stapellauf passiert.

Fazit?

Vordergründig ließe sich das erste Problem durch Wachstum lösen: Mehr Leute können mehr Aufträge parallel bearbeiten und dadurch fiele nicht so sehr ins Gewicht, wenn es hier oder dort mal hakt. Dadurch würde Kanonen & Spatzen jedoch zu einer klassischen Agentur – mit entsprechender Preisgestaltung und nur noch für größere Unternehmen bezahlbar. Das ist nicht mein Ziel.

Das zweite Problem wäre nur eines der richtigen „Etikettierung“. Wenn der Begriff Online-Marketing nicht meist mit Maßnahmen in Verbindung gebracht werden würde, die nur für Unternehmen mit fünf- bis sechsstelligen Marketingbudgets infrage kommen. Online-Marketing für kleine Unter­nehmen beginnt hingegen oft damit, überhaupt irgendeinen passenden Einstieg ins Netz zu finden.

Es gibt also noch kein Fazit – aber eine neue Positionierung: Nehmen wir an, Sie haben eine Geschäftsidee


Dritter Teil vom 5. November 2020: Nehmen wir an, Sie haben eine Geschäftsidee